Verordnung - Schulordnung
über Erweiterte Realschulen mit bilingualem Zug

Vom 7. Juni 2005

Fundstelle: Amtsblatt 2005, S. 877

 

Aufgrund des § 33 Abs. 1 und 2 des Gesetzes zur Ordnung des Schulwesens im Saarland (Schulordnungsgesetz: SchoG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. August 1996 (Amtsbl. S. 846; 1997, S. 147), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 11. Mai 2005 (Amtsbl. S. 687),[1] verordnet das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft:

[1]

SchoG vgl. BS-Nr. 223-2.

§ 1

Zielsetzung

Bilinguale Züge an Erweiterten Realschulen haben das übergeordnete Ziel einer nachhaltigen Förderung der fremdsprachlichen, interkulturellen und kommunikativen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler durch besondere Unterrichtsverfahren und geeignete schulorganisatorische Maßnahmen. Hierzu gehören

1.      Unterricht in der Fremdsprache mit erhöhter Wochenstundenzahl in den Klassenstufen 5 bis 9,

2.      fremdsprachiger Unterricht in einem Sachfach oder mehreren Sachfächern,

3.      Einbeziehung von begegnungspädagogischen Maßnahmen und Intensivlernphasen in den Lernprozess.

§ 2

Stundentafel

Für den Unterricht in den Klassenstufen 5 bis 10 des bilingualen Zuges der Erweiterten Realschule gilt die Stundentafel der Erweiterten Realschule mit folgenden Maßgaben:

1.      In der Klassenstufe 5 wird der Sprachunterricht in der ersten Fremdsprache durch einen einstündigen, in der Klassenstufe 6 durch einen ein- bis zweistündigen Zusatzunterricht ergänzt. Dieser Zusatzunterricht dient der Heranführung insbesondere an den mündlichen Fremdsprachengebrauch.

2.      In den Klassenstufen 7 bis 9 nehmen die Schülerinnen und Schüler des auf den Erwerb des mittleren Bildungsabschlusses bezogenen Bildungsganges an einem zweistündigen Zusatzunterricht in der Fremdsprache des bilingualen Zuges teil. Dieser Zusatzunterricht dient der sprachlichen Vorbereitung auf den fremdsprachigen Sachfachunterricht und der Vor- und Nachbereitung begegnungspädagogischer Projekte.

3.      In den Klassenstufen 9 und 10 nehmen die Schülerinnen und Schüler des bilingualen Zuges am fremdsprachigen Unterricht eines Sachfaches teil. Dieses bilinguale Angebot der Schule kann ab der Klassenstufe 7 durch zeitlich begrenzte Unterrichtseinheiten oder durchgängig durch fremdsprachigen Unterricht auch in weiteren Fächern ergänzt werden.

§ 3

Lehrkräfte

Die den fremdsprachigen Unterricht erteilenden Lehrkräfte sollen grundsätzlich die Lehrbefähigung für das Sachfach und entweder die Lehrbefähigung für die Fremdsprache besitzen oder diese als Muttersprache sprechen oder über eine Sprachkompetenz in dieser Sprache verfügen, die der einer ausgebildeten Fremdsprachenlehrkraft entspricht.

§ 4

Lehrpläne

Der Unterricht in den bilingual unterrichteten Sachfächern wird grundsätzlich auf der Grundlage der geltenden Lehrpläne erteilt. Der fremdsprachig erteilte Sachfachunterricht ist kein um Sachfachinhalte erweiterter Fremdsprachenunterricht, sondern er orientiert sich an den didaktischen und methodischen Prinzipien des jeweiligen Sachfaches.

§ 5

Beauftragte Lehrkraft für den bilingualen Unterricht

Die Schulleiterin oder der Schulleiter beauftragt eine im bilingualen Zug eingesetzte Lehrkraft mit der Organisation und didaktischen Betreuung des bilingualen Zuges. Diese Lehrkraft übernimmt die Aufgaben der Koordinierung, Beratung und Unterrichtsorganisation sowie die Betreuung außerunterrichtlicher Angebote. Sie berät die Schulleitung in fachdidaktischen, fachmethodischen und den Unterrichtseinsatz der Lehrkräfte betreffenden Fragen und koordiniert die Arbeit der vom bilingualen Unterricht betroffenen Fachkonferenzen.

§ 6

Einrichtung bilingualer Züge, Zulassung, Klassenbildung

(1) Die Einrichtung eines bilingualen Zuges bedarf der Genehmigung durch die Schulaufsichtsbehörde.

(2) Fremdsprache des bilingualen Unterrichts kann nur eine in der Klassenstufe 5 der betreffenden Erweiterten Realschule als erste Pflichtfremdsprache angebotene Fremdsprache sein.

(3) In den Klassenstufen 5 und 6 nehmen alle Schülerinnen und Schüler, die diese Fremdsprache gewählt haben, am Zusatzunterricht des bilingualen Zuges teil.

(4) Am Ende der Klassenstufe 6 können sich die in den auf den Erwerb des mittleren Bildungsabschlusses bezogenen Bildungsgang eingestuften Schülerinnen und Schüler für den bilingualen Zug ab Klassenstufe 7 anmelden. Die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern sind vorher zu beraten. Über die Zulassung zum bilingualen Zug entscheidet die Schulleiterin oder der Schulleiter nach Anhörung der Klassenkonferenz und der mit der Organisation des bilingualen Zuges beauftragten Lehrkraft unter Berücksichtigung von Sprachbegabung, Leistungsvermögen, Leistungsbereitschaft, Lernverhalten und sozialer Kompetenz.

(5) Auch für Erweiterte Realschulen mit bilingualem Zug gilt die Verordnung über die Festlegung der Werte für die Klassen-, Gruppen- und Kursbildung und über Schüler-Lehrer-Relationen vom 19. Juli 1996 (Amtsbl. S. 723), zuletzt geändert durch die Verordnung vom 28. Juli 2004 (Amtsbl. S. 1634), in der jeweils geltenden Fassung [2] .

[2]

Vgl. BS-Nr. 223-2-105.

§ 7

Intensivlerntage, Intensivlernphase

Für Schülerinnen und Schüler des bilingualen Zuges finden in den Klassenstufen 5 und 6 Intensivlerntage statt. Mindestens einmal im Schuljahr wird ab Klassenstufe 7 eine mehrtägige Intensivlernphase in der Fremdsprache durchgeführt, die nach Möglichkeit begegnungspädagogische Aspekte berücksichtigt. Es ist wünschenswert, dass die Schülerinnen und Schüler des bilingualen Zuges ein ein- oder mehrwöchiges Betriebspraktikum im Zielland absolvieren. Dieses Praktikum kann auch als Tandempraktikum gemeinsam mit einer Austauschschülerin oder einem Austauschschüler in je einem Betrieb des eigenen Landes und einem des Partnerlandes durchgeführt werden.

§ 8

Leistungsbewertung

Bei der Bewertung der Leistungen in den bilingual unterrichteten Sachfächern sind nur die fachlichen Leistungen zu beurteilen. Führt fehlerhafte oder fachsprachlich unangemessene Sprachproduktion zu eingeschränkten fachlichen Leistungen, so ist dies wie im deutschsprachig geführten Sachfachunterricht bei der Bewertung und Benotung zu berücksichtigen.

§ 9

Zeugnisse

(1) Die Leistungen im Zusatzunterricht in den Klassenstufen 5 bis 9 werden in verbaler Form auf dem Zeugnis unter ,,Bemerkungen“ beurteilt.

(2) Die Teilnahme am fremdsprachigen Sachfachunterricht wird auf dem Zeugnis unter ,,Bemerkungen“ vermerkt.

(3) Zusätzlich zum Abschlusszeugnis der Klassenstufe 10 erhalten die Schülerinnen und Schüler des bilingualen Zuges ein Zertifikat nach dem Muster der Anlage 1 oder 2 . Sie erhalten außerdem eine Übersetzung dieses Zertifikats in der jeweiligen Fremdsprache nach dem Muster der Anlage 3 oder 4 .

§ 10

In-Kraft-Treten

Diese Verordnung tritt am 1. August 2005 in Kraft. Sie gilt, soweit schulorganisatorisch und personell möglich, auch für Schülerinnen und Schüler, die sich im Schuljahr 2004/2005 bereits in einem bilingualen Zug befinden.

Anlage 2

Anlage 4