Die Sage von der schönen Melusina

 

The Legend of Melusina

 

Vor vielen hundert Jahren lebte auf einem Schloss in Körich ein edler Ritter. Dieser hieß Siegfried. Er ging gerne zur Jagd. Eines Tages auf der Jagd verirrte er sich und kam in ein dunkles, enges, wild verwachsenes Tal.

 

Es war das Tal der Alzette, an der  Stelle wo sich heute Luxemburgs Vorstädte an den Felsen schmiegen.  Der Graf erblickte den Bockfelsen hoch über sich auf dem eine alte, verfallene Römerburg stand.

 

Plötzlich hörte er einen wundervollen Gesang, der ihn zu der alten Burg lockte. Auf den Trümmern der alten Burg sah er eine schöne Jungfrau sitzen: Melusina, die Nixe der Alzette. Als Melusina den Ritter sah, ließ sie ihren grünen Schleier über ihr Gesicht fallen und verschwand in der Alzette.

 

 

Am Abend schlief der Graf unter einem Baum ein. Am folgenden Morgen wurde er vom Gesang der Vögel geweckt. In Gedanken an diese schöne Erscheinung ritt er am Fluss entlang nach Hause.

 

Die Erscheinung der schönen Jungfrau und ihr wundervoller Gesang hatten es dem Grafen angetan. Oft ritt er nun in diese Gegend, um sich an dem Gesang und der Gestalt der Jungfrau zu erfreuen.

 

Der Besuch des Grafen war Melusina angenehm und sie hatte den stattlichen Grafen lieb gewonnen. Eines Tages ging Siegfried zu ihr und gestand Melusina seine Liebe und er bat sie, seine Frau zu werden. Sie war bereit, aber nur unter einer Bedingung, dass sie den Felsen nicht verlassen müsste und er sie nie an den Samstagen an denen sie allein zu sein wünschte, sehen wollte. Der Graf versprach ihr dies hoch und heilig.

Siegfried machte nun mit dem Abt von St. Maximin bei Trier einen Tausch, durch den er seine Herrschaft Feulen bei Ettelbrück gegen den kahlen Bockfelsen und die umliegenden Waldungen abtrat. Da es ihm aber jahrelang an Geld fehlte, um auf dem Bockfelsen ein Schloss zu erbauen und Melusina zu heiraten, schloss er einen Pakt mit dem Teufel. Dieser bot ihm an, ihm das Schloss zu erbauen und ihn mit Reichtum zu überhäufen, wenn er ihm nach dreißig Jahren seine Seele überlassen würde.

 

Siegfried war einverstanden und über Nacht stand oben auf dem Bockfelsen eine herrliche Burg, die stolz in das umliegende Tal schaute. Siegfried vermählte sich mit der schönen Melusina und erlebte fröhliche Tage. Melusina schenkte ihm sieben Kinder.

Aber an den Samstagen, wie abgemacht, schloss Melusina sich in ihre Kammer ein. Melusina tat dies jahrelang, ohne dass Siegfried fragte was sie doch tat.

Aber eines Tages als Siegfrieds Freunde zu Besuch waren und er ihnen von Melusinas Geheimnis erzählte, glaubten diese, dass Melusina vielleicht einen anderen Verehrer hätte. Siegfried wollte nun unbedingt wissen, was seine Gemahlin hinter dieser verschlossenen Tür zu verstecken hatte. Am nächsten Samstag, schlich der Graf Melusinas Zimmer.

Er hörte ein Rauschen und ein Plätschern. Vorsichtig und neugierig schaute er durch das Schlüsselloch ins Zimmer hinein. Da sah er seine Frau in der Badewanne sitzen und sich die langen blonden Lockenhaare kämmen. Doch ihre schönen Beine waren plötzlich zu einem scheußlichen Fischschwanz, mit dem sie im Wasser plätscherte, geworden.

 

Als der Graf dies sah, stieß er einen Schrei des Entsetzens aus. In dem Augenblick versank Melusina in den Felsen. Sie war auf immer für Siegfried verloren.

Man erzählt, dass das Kindermädchen, die das jüngste Kind in Pflege hatte, nachts manchmal eine weiße Gestalt im Zimmer bemerkte, die gekommen war, um das Kind zu wiegen.

Melusina erscheint nun alle sieben Jahre in menschlicher Gestalt auf dem Bockfelsen, um die Vorübergehenden zu ihrer Erlösung aufzufordern. Erfolgte das nicht, dann schwebt die weiße Gestalt über der Stadt und ruft: „In sieben Jahren nicht mehr!“ und sie versinkt wieder in den Felsen.

Dadurch war zurzeit, als Luxemburg noch eine Festungsstadt war, der Wachposten am Bockfelsen so verrufen, dass sogar die mutigsten Soldaten Angst hatten hier Wache zu schieben.

 

Einst stand ein mutiger Soldat, der mit einem Kameraden die Posten-nummer gewechselt hatte, zwischen zwölf und zwei Uhr nachts am Blockfelsen Wache. Da erschien ihm Melusina in Gestalt eines schönen Mädchens und bat ihn, sie zu erlösen. Es sei dies, sagte sie schwer, doch nicht unmöglich. Hätte er aber Angst vor der Ausführung so sollte er es nicht machen, da sie sonst dreimal tiefer in die Erde sinken würde. Während sie dies sagte, entstand ein so heftiges Geheul um den Bockfelsen, dass der Soldat glaubte, der Bockfelsen würde zusammenstürzen. Die Schildwache versprach Melusina zu erlösen.

 

Während neun aufeinander folgenden Tagen, musste er jeden Abend Punkt zwölf Uhr hinter dem Altar in der Dominikanerkirche stehen, keine Minute zu früh und keine Minute zu spät. Habe er dies neunmal getan, dann würde sie ihm am zehnten Abend als feurige Schlange mit einem Schlüssel im Mund erscheinen. Diesen müsste er mit seinem Mund aus ihrem nehmen und ihn dann in die Alzette werfen. Sie wäre erlöst und die Römerburg würde wieder auf dem Bockfelsen stehen, wie vorher.

Acht Abende stand der Soldat Schlag zwölf hinter dem Altar, aber am neunten Abend verspätete er sich. Auf dem Rückweg zum Bockfelsen hörte er ein entsetzliches Geheul und Gebrüll. Kein anderer Mensch hörte diesen Lärm.

 

So ist Melusina bis heute noch nicht erlöst.

 

(nach Nikolaus Gredt: Sagenschatz des Luxemburger Landes)

 

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Form 5 “Ecole Primaire Erpeldange
Luxembourg
May 2006